Warum und wie Sie Ihre Emotionale Intelligenz trainieren sollten

Hier finden Sie die Artikel zum Thema

Für Sie: "Gefühle und ihre archetypischen Qualitäten"

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Was Sie über Emotionen und Gefühle wissen sollten...

...und warum Sie nicht immer sachlich bleiben könnnen

Emotionale Intelligenz. Great Growing Up.
Sachlich bleiben ist im Job nicht immer so leicht getan wie gesagt.

In diesem Beitrag geht es um emotionale Intelligenz. Und damit zwangsläufig um ein Thema, das unser Gehirn schnell überfordert: Emotionen und Gefühle. Um es gleich zu sagen: Es geht beim Thema emotionale Intelligenz nicht um Liebe und Romantik. Das sind andere Themen. Emotionale Intelligenz ist etwas ganz und gar unromantisches.

Was emotionale Intelligenz ausmacht

Der Begriff beschreibt ein ganzes  Bündel von Kompetenzen. Sie erlauben uns, auf Situationen bewusst und verantwortlich zu reagieren. Ob beispielsweise eine Führungskraft das tut, erkennen wir daran, wie Mitarbeiter und Kollegen auf ihr Handeln und Verhalten reagieren: Erleben sie sich als Mensch, der mit seinen Stärken, Schwächen und Befindlichkeiten akzeptiert wird? Oder lehnen Sie ihre Führungskraft als inkompetent ab?

Wahrnehmen, was vorgeht

Grob vereinfacht lässt sich sagen: Menschen mit einem hohen Maß an Emotional Intelligence im Sinne von Daniel Goleman sorgen nicht immer nur für Freude. Aber sie werden als kompetent wahrgenommen. Und sie erfahren in der Regel eine positive Bewertung durch ihre Mitmenschen.  Emotional intelligente Menschen sind in der Lage, ihre eigene Emotionalität bewusst und differenziert wahrzunehmen. Und sie nehmen wahr, was in ihrem Gegenüber vorgeht. Diese Kompetenzen unterscheiden sie von lediglich rational intelligenten Menschen mit hohem IQ.

Menschen ganzheitlich wahrnehmen

Emotional intelligente Menschen verlassen sich nicht nur auf Wissen und Gedanken. Sie beziehen emotionale Befindlichkeiten in ihre Entscheidungen mit ein. Sie gestalten Beziehungen bewusst. Sie verstehen Menschen und Herausforderungen ganzheitlich, sind in der Lage, Mitarbeiter und Kollegen bewusst und positiv zu beeinflussen, zu motivieren. Kurzum: Sie können mit Menschen umgehen.

Erwünschte und unerwünschte Gefühle

Es geht hier also darum, was uns Freude bereitet, was uns ärgert, was uns traurig macht und was uns ängstigt. Ob wir das wollen oder nicht, ist dabei völlig irrelevant. Es passiert ständig und begleitet uns durch alle Bereiche unseres Lebens: egal, ob im Privatleben oder im Beruf. Relevant ist allerdings, dass wir unsere Gefühle bewerten: manche positiv, aber erstaunlich viele eher negativ. Dieser Beitrag wird zeigen, dass gerade die  Bewertung unserer Gefühle Probleme erschafft, die wir ohne sie gar nicht hätten.

Eine der wichtigsten Kompetenzen

Wer heute beruflich mit Menschen zu tun hat, sieht sich speziellen Anforderungen gegenüber: Vor noch gar nicht allzu langer Zeit wurden sie unter "nice-to-have" abgelegt. Das ist inzwischen anders. Egal, ob Sie Mitarbeiter führen, Auszubildende begleiten, in einem Team mit Kollegen zusammenarbeiten oder ob Sie als Außendienstler Kunden gewinnen sollen: Ohne Beziehungskompetenz und emotionale Intelligenz fehlt ihnen eine der wichtigsten Kompetenzen überhaupt: die Fertigkeit, ihre Aktionen und Reaktionen bewusst und verantwortlich zu gestalten. Erst wenn Sie in der Lage sind, bewusst zu entscheiden, wie Sie agieren bzw. reagieren, unterscheiden Sie sich von Menschen, die unbewusst alten Verhaltensmustern folgen und von einem Misserfolg zum nächsten stolpern. Um das zu erreichen, müssen Sie Ihre emotionale Intelligenz trainieren.

Die meiste Zeit auf Autopilot

Neun von zehn Entscheidungen, die Menschen treffen, folgen unbewussten Motiven. Mindestens. Konkret bedeutet das: Wir fliegen die meiste Zeit auf Autopilot. Ihre Mitarbeiter ebenfalls. Diese unbewusste Routine sorgt dafür, dass sie sich - etwa in Konfliktsituationen - ständig im Kreis drehen und ewig die gleichen Ergebnisse erschaffen. Emotionale Intelligenz ist die Voraussetzung dafür, diesem Teufelskreis zu entkommen. Das Bewusstsein darüber, was ich fühle, eröffnet mir den Weg zur Klarheit, zur Empathie und ermöglicht mir bewusste Entscheidungen. Mit ihnen kann ich Entwicklungen und Beziehungen verantwortlich gestalten. Emotional intelligente Menschen sind in der Lage, Situationen so zu beeinflussen, dass Mehrwert für alle Beteiligten entsteht. Deshalb ist Emotionale Intelligenz eine der wichtigsten Kompetenzen im Arbeits- und Beziehungsleben.

EQ im Unterschied zu IQ

Das Thema Emotionale Intelligenz begegnet uns gleich zu Beginn mit einem offensichtlichen Widerspruch: Emotionale Intelligenz hat nur sehr wenig mit der herkömmlichen Intelligenz zu tun. Die Fähigkeiten, die wir mit dem IQ (von engl.: Intelligence Quote) messen, sind in der Regel kognitiver Natur. Sie haben viel mit erlernten Kenntnissen und mit Wissen zu tun. Ein hoher hoher IQ ist nicht zwangsläufig die Voraussetzung für ein positives Ergebnis im Bereich emotionale Intelligenz. Im Gegenteil: Überdurchschnittlich intelligente Menschen tun sich oft sogar schwer damit, emotionale Intelligenz tatsächlich zu verstehen. Und das obwohl versierte Autoren wie Daniel Goleman mit viel Erfolg erklärt haben, was unter EQ (Emotionaler Intelligenzquotient) zu verstehen ist: eine Intelligenz, die nur wenig mit dem IQ zu tun hat. Sie beruht vielmehr auf körperlicher Wahrnehmung. Der rational arbeitende Verstand hat lediglich die Aufgabe, das Wahrgenommene, zu benennen und einzuordnen.

Emotionale Intelligenz - eine Definition

Emotionale Intelligenz ist eine erstaunliche Fähigkeit. Nicht wenige Wissenschaftler sehen in ihr sogar den Gegenpart zur rationalen Intelligenz. Tatsächlich hängt die Höhe des jeweiligen EQ, also des emotionalen Intelligenzquotienten, weniger von der differenzierten Wahrnehmung körperlicher Signale und ihrer korrekten Einordnung ab. Laut Wikipedia ist Emotionale Intelligenz ein von John D. Mayer (University of New Hampshire) und Peter Salovey (Yale University) 1990 eingeführter Begriff:

Emotionale Intelligenz "beschreibt die Fähigkeit, eigene und fremde Gefühle (korrekt) wahrzunehmen, zu verstehen und zu beeinflussen."

Emotionale Intelligenz gilt als wesentliche Fähigkeit, die zum Erfolg in Leben und Beruf beiträgt. Populär wurde der Begriff insbesondere durch das Buch "EQ. Emotionale Intelligenz" (1995) des  US-amerikanischen Journalisten Daniel Goleman.

Was Emotionale Intelligenz ausmacht

Daniel Goleman hat in Anlehnung an Salovey und Gardner fünf Fähigkeiten definiert, die emotionale Intelligenz kennzeichnen:

1. Wahrnehmen und akzeptieren

Die eigenen Emotionen wahrnehmen, erkennen und akzeptieren. Und das, bereits während sie auftreten. Diese Fähigkeit unterscheidet bewusste von unbewussten Menschen. Wer sich seines Ärgers, seiner Angst, seiner Trauer und seiner Freude bewusst ist, kann die Gründe für das eigene Verhalten verstehen. In der Umkehrschluss bedeutet das: Wer seine Gefühle verdrängt, bleibt dagegen unbewusst und unreflektiert. Er handelt ohne Kenntnis seiner Motive und ist  seinen Gefühlen ausgeliefert.

2. Emotionen ausdrücken

Die eigenen Gefühle der Situation angemessen ausdrücken. Also nicht zu dramatisieren oder zu beschönigen. Dazu gehört die Fähigkeit, sich selbst zu beherrschen und dem spontanen Impuls gegebenenfalls zu widerstehen. Menschen mit trainiertem EQ sind in der Lage, über ihre Gefühle zu sprechen und nutzen dazu das gesamte Spektrum ihrer Kommunikation: Worte, Stimme, Mimik und Körpersprache. Die Anwendung von körperlicher Gewalt ist kein Kennzeichen emotionaler Intelligenz.

3. Emotionen nutzen

Jede Emotion hat ihre Qualität. Wer sich seiner Gefühle bewusst ist,  hat die Fähigkeit, diese Qualitäten zu nutzen. Den Ärger etwa, um Grenzen zusetzen, Entscheidungen zu treffen. Er ist entscheidend, um sich selbst zu schützen: vor Angriffen und Verletzungen ebenso wie vor kurzfristigen Verlockungen. Ärger ermöglicht Selbstdisziplin und den Aufschub allzu schneller Belohnung. Auf lange Sicht bildet allein diese Fähigkeit emotionaler Intelligenz die Grundlage für jeden Erfolg. In den auf dieser Seite zusammengestellten Beiträgen zum Thema Emotionale Intelligenz findet sich jede Menge Material, das die Qualitäten der Grundgefühle Ärger, Trauer, Angst und Freude konkret darstellt.

4. Empathie

Menschen mit der Fähigkeit, die eigenen Gefühle zu erkennen, sind auch in der Lage, die emotionale Befindlichkeit, ihres Gegenübers wahrzunehmen. Das hilft ihnen, die Motive ihres Gegenüber zu verstehen. Diese Kernfähigkeit emotionaler Intelligenz  ergibt sich vor allem aus dem bewussten Umgang mit der eigenen Trauer. Sie ist nichts anderes als eine Form von Berührbarkeit. Wer sich von der Emotionalität seines Gegenübers berühren lässt, entwickelt Mitgefühl. Er nimmt körperlich wahr, was in seinem Gesprächspartner vorgeht. Das ist der Schlüssel zum erfolgreichen Gestalten zwischenmenschlicher Beziehungen. Zudem ist das die Grundlage für erfolgreiches Führen ebenso wie für Teamfähigkeit.

5. Umgang mit Beziehungen

Wer seine Beziehungen zu Menschen verantwortlich und erfolgsorientiert gestalten will, muss erkennen und verstehen können, warum er selbst und andere handeln, wie sie handeln. Dazu braucht es die Fähigkeit, Gefühle wahrnehmen und akzeptieren zu können. Sowohl die eigenen die auch die anderer Menschen. Jede erfolgreiche Form der Zusammenarbeit beruht auf dem bewussten Management von Gefühlen.  Emotionale Intelligenz ist somit die Basis für reibungslose Zusammenarbeit im Job. Aus ihr gehen zudem Wertschätzung und Integration hervor, ohne die sich Teamarbeit nicht erfolgreich gestalten lässt. Hier sei angemerkt, dass emotionale Intelligenz auch missbraucht werden kann, um andere Menschen zu manipulieren. Um dieser Einladung widerstehen zu können, braucht es ein hohes Maß an Integrität.

Wir glauben, was wir denken

Wir Menschen sind sehr interessante Lebewesen. Vor allem der westliche Mensch mit seiner eher materiell orientierten Prägung voller bemerkenswerter Eigenschaften. Wir sind - nicht ohne Grund - sehr stolz auf unser hoch entwickeltes Gehirn. Dieses unglaubliche Organ leistet Erstaunliches. Das begeistert uns, und wir verlassen uns gerne auf seine Fähigkeiten. Wir nutzen es zum Planen, Rechnen, Nachdenken, Schreiben, zum Einschätzen einer konkreten Situation und zu vielem mehr.

Was auch immer unser Gehirn - im Volksmund auch gerne "der Kopf" - uns sagt, scheint uns verlässlich und wahr. Kurz: Wir glauben, was wir denken, meist ohne diesen Umstand zu hinterfragen. Wir sind so daran gewöhnt, unseren Kopf zu fragen, dass viele von uns keine passenden Antwort auf die Frage "Was fühlst Du?" finden. Der Grund ist simpel: Weil wir die Antwort im Kopf suchen. Dort ist ebenso wenig zu finden wie emotionale Intelligenz.

Was unser Gehirn nicht weiß

Unser Gehirn ist damit überfordert. Die Frage nach dem aktuellen Gefühl, kann es nicht beantworten. Unser Kopf kann zwar wunderbar über unsere Psychologie nachdenken, erklären, was wir tun und warum wir es tun, aber es weiß nicht, wie wir uns fühlen. Dazu brauchen wir trainierte emotionale Intelligenz. Gefühle wie Freude, Wut, Trauer oder Angst sind körperliche Regungen, die wir körperlich wahrnehmen: den beschleunigten Puls und die schnellere Atmung, wenn wir Angst haben etwa oder das Grummeln in unserem Bauch, wenn wir uns ärgern beziehungsweise das Ziehen im Bereich unserer Tränensäcke, wenn wir traurig sind. Oder eben der Schmerz, den wir in unserem Herzen verorten.

Suche am falschen Ort

Nicht alle Menschen, nehmen ein Gefühl x an der gleichen Stelle ihrer Körper wahr. Aber erstaunlich oft, zeigen sich sehr ähnliche körperliche Reaktionen: Hände ballen sich zu Fäusten oder zittern, die Stimmlage rutscht in ein höheres Register. Gar nicht selten, nimmt unser Gegenüber wahr, was oder zumindest dass wir etwas fühlen. Und das, ehe wir es selbst tun. Warum? Weil wir Antworten in unserem Kopf suchen, die wir dort nicht finden können. Das ist unser System, mit wir entscheiden, wie wir uns verhalten, wie wir leben. Es prägt unsere Reaktionen, unsere soziale Kompetenz. Dieses System sorgt letztlich auch dafür, dass unsere emotionale Intelligenz schwach ist und bleibt.

Wissen, was mich bewegt

Das ist bedauerlich, denn wir Menschen sind nun mal emotionale Wesen. Wer zusammen mit anderen Menschen arbeitet und dauerhaft erfolgreich sein will, braucht ein hohes Bewusstsein dafür, was in ihm selbst emotional vorgeht. Kurz: er muss wissen, was er fühlt. Nur mit trainierter emotionaler Intelligenz kann er erkennen, was hinter den Emotionen steckt, mit denen andere Menschen auf ihn und sein Verhalten reagieren. Damit beginnt emotionale Intelligenz. Denn die emotionale Befindlichkeit unseres Gesprächspartners nehmen leichter und differenzierter wahr, wenn wir uns in ihn hineinfühlen können. Wenn es um Emotion geht ist Empathie unerlässlich. Sie übertrifft unsere kognitive Wahrnehmung deutlich.

Sachlich bleiben?

Emotionen sind allerdings vor allem im beruflichen Alltag kein allzu beliebtes Phänomen. "Sie müssen nicht gleich so emotional reagieren. Können wir jetzt bitte wieder sachlich werden?" Das sind Sätze, die in dieser oder ähnlicher Form oft zu hören sind, wenn die Wogen höher schlagen. Wenn Menschen etwas zeigen, womit viele Menschen nur schlecht umgehen können: Emotionen bzw. Gefühle. Im - eher sachlich orientierten - Berufsalltag ist dafür oft kein Platz. Emotionale Äußerungen gelten als lästige Störungen. Wenn überhaupt, dann haben sie allenfalls im Umfeld einer Paarbeziehung oder im familiären Rahmen ihren Platz. Mit dem Thema emotionale Intelligenz hat dieses Verhalten allerdings nur wenig zu tun.

Emotionen sind Tabuthemen

Tatsächlich kenne ich nur wenige Menschen, die sich im beruflichen Alltag erlauben, offen darüber zu sprechen, was sie emotional bewegt. Vor allem Gefühle wie Wut, Trauer oder Angst sind regelrechte Tabuthemen. Das gilt vor allem im beruflichen Kontext, obwohl es gerade dort mehr als genug Situationen gibt, die emotionale Reaktionen auslösen.

Viele Unternehmen und Organisationen erschaffen sich mit großem Aufwand Kulturen, die Freude und Begeisterung beim Arbeiten fördern (mitunter auch fordern) sollen. Leider übersehen beinahe ebenso viele Unternehmen und Organisationen, dass das Ausschließen vermeintlich negativer Gefühle wie Wut, Angst und Trauer der menschlichen Psychologie zuwiderläuft. Menschen fühlen eben deutlich mehr als nur Freude. Wer ihr Potenzial vollständig nutzen will, sollte ihnen nicht verwehren, was sie um Umgang miteinander brauchen: den verantwortlichen Umgang mit ihrer kompletten emotionalen Befindlichkeit.

Emotionen bewusst managen

Mitarbeiter, die in so einem System ihre Angst, ihre Trauer und ihre Ärger verbergen und unterdrücken müssen, haben kaum eine Chance ,soziale Kompetenz oder gar emotionale Intelligenz zu entwickeln. Ihr Verhalten und ihre Kommunikation können ihn so einem System nicht annähernd kongruent, also deckungsgleich, werden. Von ihnen Authentizität zu fordern, ist so als würde man einem Musiker sein Instrument wegnehmen und dennoch ein Konzert von ihm erwarten. Schließlich ist Kommunikation immer auch das Management von Emotionen. Je größer unsere Bewusstheit darüber ist, was wir fühlen, desto wahrhaftiger und überzeugender ist unsere Kommunikation. Wenn wir aber verdrängen, was wir fühlen, wird unsere Kommunikation inkongruent und damit für unser Gegenüber - bewusst oder unbewusst - unglaubwürdig.

Emotion versus Gefühle

Die Begriffe Emotionen und Gefühle werden oft synonym benutzt, stehen aber für unterschiedliche Phänomene.

Im allgemeinen Sprachgebrauch wird kaum zwischen Gefühlen und Emotionen unterschieden. Die Fachwelt allerdings versteht Emotion eher als eine ungesteuerte, vom Affekt getriebene Reaktion oder Handlung, während sie Gefühle als Gemütszustand beschreibt. Einigermaßen plausibel bringt das die sogenannte James-Lange-Theorie auf den Punkt. In ihrem System sind Reaktionen wie Zuschlagen, Weinen und Zittern Emotionen, weil sie als Gemütsbewegungen gesehen werden. Analog zur Herkunft des Wortes vom lateinischen movere = bewegen. Die damit verbundenen Gemütszustände Ärger, Trauer, Angst sind dagegen Gefühle.

Wann wir emotional werden

Menschen also, die emotional reagieren, sind Menschen, die Gefühle zeigen. Etwa wenn es hoch hergeht in einer Diskussion. beispielsweise wenn Gremien Ideen und Vorschläge sammeln, beleuchten und auch wieder verwerfen. Oder wenn Beschuldigungen und Vorwürfe zu hören sind, wenn es um kritisches Feedback geht oder auch um gute Nachrichten.

Was wir alles fühlen

Gute Nachrichten? Ja, wir reagieren auch auf Umstände, die wir positiv bewerten durchaus emotional: Wir freuen uns. In der Regel wird das als wenig problematisch empfunden. Schwierig wird es, wenn Menschen mit Gefühlen reagieren, die viele als negativ bewerten. Davon gibt es unendlich viele.

Etwa diese hier:

  • Wut
  • Ärger
  • Zorn
  • Gereiztheit
  • Zickigkeit

Oder diese hier:

  • Niedergeschlagenheit
  • Verzweiflung
  • Nachdenklichkeit
  • Traurigkeit
  • Sentimentalität

Andere sind:

  • Nervosität
  • Aufgeregtheit
  • Unsicherheit
  • Panik
  • Angst

Und natürliche auch jene hier:

  • Leichtigkeit
  • Freude
  • Zufriedenheit
  • Dankbarkeit
  • Begeisterung

Warum wir fühlen

Emotionale Intelligenz. Great Growing Up.
Fühlen ist eine körperliche Erfahrung und nichts, das sich kognitiv erarbeiten lässt.

Die menschliche Gefühlspalette ist vermutlich endlos. Wir können alles mögliche fühlen. Wir sind emotionale Wesen. So lange unser Herz schlägt und unser Gehirn mit Sauerstoff versorgt wird, fühlen wir. Das funktioniert - grob vereinfacht - so: Wir erleben eine Situation, sagen wir, unser Vorgesetzter im Unternehmen sagt uns etwas. Das ist der äußere Reiz. Es gibt eine ganze Reihe von Faktoren, die darüber entscheidet, wie wir darauf reagieren: Worte und Inhalt der Botschaft, die Art und Weise, wie unser Vorgesetzter sich äußert, unsere eigene Stimmung, die in unserem Gedächtnis gespeicherten Erfahrungen, unsere aktuelle Situation, unsere Umgebung etc. Menschen, die ihre emotionale Intelligenz trainieren, sind in diesem Bereich klar im Vorteil.

Vier Grundgefühle

Das alles verarbeitet unser Gehirn. Blitzschnell entscheidet es, welche Botenstoffe ausgesandt werden. Diese wiederum bestimmen, was wir fühlen. Und aus diesen Gefühlen ergibt sich die Art und Weise des Verhaltens, mit dem wir reagieren. So ist das im Leben. Das kann, wie in der obigen Zusammenstellung angedeutet, jedes nur erdenkliche Gefühl sein. Allerdings fällt uns Menschen das Differenzieren um so schwerer, je größer die Bandbreite der Möglichkeiten ist. Deshalb vereinfachen wir das Ganze, indem wir uns auf vier Grundgefühle beschränken. Auf:

  1. Emotionale Intelligenz. Great Growing Up.
    Wir kommunizieren Gefühle vor allem visuell.

    Ärger

  2. Trauer
  3. Angst
  4. Freude

Alle oben aufgelisteten emotionalen Regungen lassen sich in diese vier Hauptgruppen einordnen. Dieses simple System macht uns das Leben einfacher, weil wir uns nur noch zwischen vier Gefühlen entscheiden müssen. Wer es nutzt, trainiert bereits seine emotionale Intelligenz. Die Erfahrung zeigt, dass selbst das - zumindest anfangs - schwierig genug ist.

Emotion differenziert wahrnehmen

Es gibt allerdings einen ebenfalls simplen Trick, der uns aus der emotionalen Ungewissheit erlöst: das Ausschlussverfahren. Wenn Sie nicht wissen, mit welchem Gefühl Sie gerade auf die Mitteilung Ihres Vorgesetzten reagieren, gehen Sie die vier Grundgefühle durch und schließen Sie eines nach dem anderen aus. Wenn sie drei ausgeschlossen haben und ihnen das fehlende, vierte Gefühl partout nicht einfallen will, dann haben Sie es gefunden. Wir sind es so gewohnt, unsere Gefühle zu verdrängen, dass uns das, was wir fühlen, oft erst als letztes einfallen will.Emotionale Intelligenz ist gar nicht so kompliziert, wie viele glauben.

Warum es keine negativen Gefühle gibt

Es gibt natürlich auch andere Modelle, die von weiteren Grundgefühlen ausgehen: z. B. von Liebe oder Ekel. Liebe wird zwar oft uns gerne als starkes Gefühl der Zuneigung definiert, ich sehe darin allerdings eher ein sehr schönes, aber auch weitgehend unerklärliches Phänomen, das, je nach Situation von starken Gefühlen begleitet wird: zum Beispiel  von der Freude, wenn wir einen geliebten Menschen treffen. Oder von der Trauer, wenn wir uns verabschieden. Von Wut bzw. Ärger, wenn wir uns streiten, und von Angst, wenn wir eifersüchtig sind. Ekel hingegen ordne ich unter Angst ein.

Ein frommer Wunsch

Andere Modelle differenzieren emotionale Reaktionen feiner etwa zwischen Wut und Ärger. Daran ist nichts falsch. Nach meiner Erfahrung reichen vier Grundgefühle völlig aus, um für emotionale Klarheit zu sorgen. ein Best of gibt es in diesen Modellen ebenso wenig wie bei den Gefühlen selbst. Natürlich ist das zunächst mal ein frommer Wunsch. Wir Menschen wollen grundsätzlich lieber Dinge erleben, die uns Freude bereiten, als andere, die uns ängstlich, ärgerlich oder traurig machen. Das ist natürlich.

Emotionale Intelligenz. Great Growing Up.
Vergnügt bei der Arbeit. Der Weg dorthin führt durch die Akzeptanz unserer Gefühle.

Der große Widerspruch

Ebenso natürlich ist aber auch die Tatsache, dass uns kein Leben gegeben ist, das uns permanent nur Anlass zur Freude bereitet. Menschen , die ihre emotionale Intelligenz trainieren, sind sich dessen bewusst. Das Paradoxe an der Sache ist, dass wir in der Tat ein freudvolles Leben leben können, wenn wir auf unsere Bewertungen verzichten würden. Wir sind so damit beschäftigt. Ärger, Trauer und Angst negativ zu bewerten, dass wir nichts von ihnen wissen wollen. Dabei sind sie einfach nur menschliche Gefühle und damit so wertneutral wie die Freude. Wer sich zumindest rein kognitiv auf den Gedanken einlassen kann, dass es keine negativen Gefühle gibt, ist auf dem Weg zu einem freudvollen Leben schon einen wichtigen Schritt gegangen.

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Emotion lässt sich nicht abschalten

Emotionen. Great Growing Up.
Der berufliche Alltag bietet Anlass für Emotionen aller Art.

Emotionale Intelligenz setzt voraus, dass ich weiß, was ich fühle. Wie kommt es nur, dass so viele Menschen nur selten darüber Bescheid wissen, was sie in einem Moment x fühlen? Ich erlebe es oft, dass Menschen die Frage "Was fühlst Du jetzt?" mit einem sehr überzeugten "Nichts" beantworten. Selbst wenn die Situation eindeutig auf eine emotionale Reaktion schließen lässt. In solchen Momenten lasse ich meinen Gesprächspartner gerne seinen eigenen Puls spüren. Mit dem Finger an der Hauptschlagader sollte ihm zumindest bewusst werden, dass er noch lebt. Und lebende Menschen sind fühlende Wesen. Immer.

Die Abwesenheit von Gefühl ist so wahrscheinlich, wie die Abwesenheit von Gehirnaktivität. So wie wir unser Denken nicht abschalten können, können wir auch unser Fühlen nicht abstellen. Was wir aber sehr wohl können, ist, uns die Wahrnehmung unserer Gefühle zu versagen und abzutrainieren. Wir wissen dann tatsächlich nicht, was wir fühlen, weil wir es nicht mehr wahrnehmen.

Gefühle gelten als unsicher

Das gelingt vielen Menschen ganz gut. Sie wissen dann wirklich nicht mehr, ob, geschweige denn was, sie gerade fühlen. Der Fachbegriff dafür lautet: Verdrängung. Wir verdrängen, was wir fühlen. Warum eigentlich? Weil wir ein gestörtes Verhältnis zur Emotion haben. Gefühle gelten als vage, unsicher und unberechenbar. Emotion ist gefährlich, Sachlichkeit ist sicher. So denken wir. Aber: Emotionale Intelligenz sieht anders aus.

Warum es keine negativen Gefühle gibt

Mit dieser Gleichung versuchen viele Menschen, ihr Leben zu meistern und wundern sich, warum es immer wieder reibt und ruckelt. Mal sanfter, mal heftiger. Der Grund für das alles, ist eine Linie, die wir bewusst oder unbewusst ziehen: die Linie zwischen Gut und Schlecht. Nahezu alle Teilnehmer an Great Growing Up Trainings unterteilen die vier Grundgefühle anfangs in zwei Gruppen, indem sie diese Linie ziehen: zwischen drei angeblich negativen Gefühlen und einem positiven. Ärger, Trauer und Angst auf der einen, die Freude auf der anderen Seite. Diese Bewertung verhindert, dass wir bewusst wahrnehmen, was wir fühlen. Und sie verhindert, dass wir unsere emotionale Intelligenz trainieren.

Wir blenden aus, was wir nicht wollen

Emotionen. Great Growing Up.
Das Wunschbild hat einen Nachteil: Es blendet einen Großteil des Lebens aus.

Die menschliche Psychologie kennt einen wirkungsvollen Weg, mit Dingen umzugehen, die wir nicht mögen: Sie blendet sie aus. Das spiegelt sich inzwischen in zahlreichen Unternehmenskulturen wider: Die Mitarbeiter sollen Freude an der Arbeit haben, und so manche Unternehmensleitung investiert viel darin. Die Absicht ist gut, aber sie fällt einer Annahme zum Opfer: der Annahme, dass es tatsächlich negative Gefühle gebe.

Trauer und Angst, vor allem aber der Ärger haben in vielen Unternehmenskulturen nur wenig bis gar keinen Platz. Die angeblich negative Emotionalität ist unerwünscht. Sie wird als störend empfunden. Daher rührt der Wunsch, man möge doch bitte wieder zur Sachlichkeit zurückkehren, wenn Ärger, Trauer oder Angst spürbar werden. Wie diese Rückkehr zu schaffen ist, weiß keiner so recht zu erklären. Solche Kulturen fördern die emotionale Intelligenz von Mitarbeitern nicht.

Überraschende Qualitäten

Gefühle und Emotionen lassen sich zwar verdrängen, ausknipsen können wir sie allerdings nicht. Und das ist die gute Nachricht. Trotz aller Verdrängung bleiben wir fühlende Wesen, selbst wenn unsere emotionale Intelligenz schwach ist.  Unsere Reaktionen sind auch die Folge von Gefühlen, nicht nur von nüchterner Sachlichkeit. Unsere Psychologie hat Überraschungen zu bieten, die unser Verstand nicht erklären kann: geniale Einfälle, spontane Pointen, mutige Entscheidungen, tiefes Mitgefühl, rückhaltlose Begeisterung, plötzliche Klarheit - unser Leben wäre arm ohne diesen Fundus, der gerade unser soziales Verhalten bereichert.

Was wir verdrängen

Die Beiträge zum Thema emotionale Intelligenz auf diesen Seiten stellen dar, wie wichtig ein gesundes Verhältnis zur eigenen Emotionalität ist. Sie zeigen, dass Wut, Angst und Trauer genauso wertvoll sind für unsere soziale Kompetenz bzw. emotionale Intelligenz wie die Freude, die angeblich alle haben wollen, aber dennoch nur selten wahrnehmen. Warum? Weil wir zu sehr damit beschäftigt sind, 75 Prozent unserer Emotionen zu verdrängen. Und das, obwohl wir, wenn wir es ganz sachlich betrachten, wissen müssten, dass uns das Leben immer wieder Anlass zu Ärger, Trauer und Angst gibt.

Nicht-Akzeptanz macht nicht glücklich

Emotionen. Great Growing Up.
Es lohnt sich immer, sich seine Gefühle bewusst zu machen.

Wir praktizieren Nicht-Akzeptanz. Mit uns selbst und mit den Mitarbeitern, denen wir nicht zugestehen, dass sie emotionale Wesen sind mit hin und wieder emotionalen Reaktionen. Wir wünschen uns ein rein auf Sachlichkeit ausgerichtetes Verhalten und wollen gleichzeitig soziale Nähe, Gemeinschaft, Teamgeist und Begeisterung für anstehende Veränderungen.

Emotion ist unvermeidbar

Und das alles soll möglichst sachlich und frei von Emotion ablaufen? Ich glaube, wir können ganz sachlich anerkennen, dass das so nicht funktionieren kann. Emotionen sind nicht nur unvermeidbar, sie verbinden uns zudem mit Qualitäten, die für ein erfolgreiches und freudvolles Leben unverzichtbar sind: im Privatleben ebenso wie im Beruf.

Ich wünsche Ihnen den Mut, Ihren Emotionen und denen Ihrer Mitmenschen offen zu begegnen. Wenn Ihnen dieser Gedanke ein bisschen Angst macht (immerhin reden wir auch von Ärger und Trauer), dann sind Sie auf dem richtigen Weg, sich als das zu begreifen, was sie sind: ein lebendiger, fühlender Mensch, der seine gut trainierte emotionale Intelligenz zum Vorteil seiner Umgebung einsetzt.

Unternehmen wollen wachsen. Menschen auch.

© Matthias Stolla, 2018

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