Wer, bitte, ist emotional intelligent?

Emotional intelligent ist Trumpf

Willkommen bei Great Growing Up, dem Training für Beziehungskompetenz im Business. Hoppla, hieß denn das nicht früher anders? Stimmt. Früher hieß das: Willkommen bei Great Growing Up, dem Training für ganzheitliche Ausbildung. Das habe ich jetzt verändert. Zusammen mit der ganzen Ausrichtung meines Trainingsunternehmens. Voranging geht es hier darum, was Menschen, die beziehungskompetent und emotional intelligent sind, ausmacht. Und: Warum sie unverzichtbar sind für den Erfolg eines Unternehmens.

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Alle Artikel zum Thema Beziehungskompetenz gibt es hier.

Unternehmen wollen Beziehungskompetenz

Warum, ist eine gar nicht so lange Geschichte. Ich habe festgestellt, dass immer mehr Kunden Wert drauf legen, dass ich nicht nur die Azubis trainiere, sondern zunächst mal die Ausbilder. Dann kamen Anfragen, ob Great Growing Up nicht auch geeignet wäre für Mitarbeiter. Letztlich landeten wir bei Anfragen, ob Great Growing Up nicht auch geeignet sei für Führungskräfte. Ja klar, ist es das! Denn letztlich trainiere ich die Führungskräfte, die Mitarbeiter, die Ausbilder und die Azubis in genau dem Gleichen, nämlich in Beziehungskompetenz. Daher die Namensänderung.

Beziehung ist alles

Und wie es halt so im Leben ist, wann immer wir solche schwerwiegenden Entscheidungen treffen, sobald wir sie getroffen haben, sobald wir sie umsetzen, spielt das Leben mit. Ich kann das feststellen, weil zur meiner großen Überraschung urplötzlich die regionale Tageszeitung hier ein ganzseitiges Interview veröffentlicht, zum Thema „Beziehung ist alles“. Übrigens mit einem sehr fortschrittlichen Lehrer, der leider jetzt in den Ruhestand gegangen ist. Doch dazu dann später mal in einer anderen Podcast Episode mehr.

Beziehungskompetenz sorgt für zufriedene Mitarbeiter.
So glatt geht es im Business-Alltag nur selten zu.

Drei Artikel

Das Leben spielt aber auch mit, weil ich gerade heute im Netz auf drei Artikel zum Thema Beziehungskompetenz im Business stoße. Das kann ja wohl kein Zufall sein, oder? Nun denn, das Netz scheint ohnehin überzuquellen mit Texten zu diesem Thema. Ganz aktuell der Text von Dr. Jürgen Fleig (www.business-wissen.de), dem ich mich übrigens schon alleine deshalb verbunden fühle, weil er als Redakteur, Trainer und Dozent firmiert,. Damit sind meine drei Berufe, schon mal genannt. Fleigs Thema bezieht sich auf die wichtigste Voraussetzung von Beziehungskompetenz: Was macht Menschen aus, die emotional intelligent sind?

Fünf Elemente emotionaler Intelligenz

Dr. Jürgen Fleig schreibt ganz aktuell darüber, was emotional intelligente Menschen auszeichnet. Und Emotionale Intelligenz ist eine der wesentlichen, vermutlich sogar der wesentlichste Bestandteil von Beziehungskompetenz. Fleig nimmt Bezug auf einen Bestseller, der allerding auch schon zehn Jahre auf dem Buckel hat, nämlich das Buch des US-Amerikanischen Psychologen Daniel Goleman zum Thema emotionale Intelligenz. Darin sind die zentralen Elemente der emotionalen Intelligenz, speziell bei Führungskräften genannt. Wir gehen sie mal Punkt für Punkt durch.

Selbstbewusstheit

Erster Punkt, ein Wort, das mir sehr gut gefällt: Selbstbewusstheit. Selbstbewusstheit im Unterschied zu Selbstbewusstsein. Selbstbewusstsein hängt bei uns ja oft mit Selbstvertrauen zusammen. Zumindest verstehen wir das oft so. Selbstbewusstheit hat viel mehr damit zu tun, wie bewusst bin ich mir über das, was in mir vorgeht. Ja, natürlich emotional. Also Selbstbewusstheit ist die Fähigkeit die eigenen Stimmungen, Gefühle und Bedürfnisse zu verstehen, sie zu akzeptieren und deren Wirkung auf andere einschätzen zu können. Wer emotional intelligent ist, kann das. Guter Punkt, gefällt mir.

Körperliche Wahrnehmung

Vor allem das Wort „akzeptieren“ gefällt mir. Allerdings möchte ich drauf hinweisen, was mir besonders wichtig ist. Und dummerweise fehlt genau dies in dieser kleinen, kurzgefassten Zusammenstellung. Wenn Selbstbewusstheit die Fähigkeit ist, die eigenen Gefühle, Bedürfnisse und Stimmungen zu akzeptieren, dann heißt es zwingend auch, dass ich in der Lage sein muss, die Gefühle in mir wahrzunehmen. Das ist nichts anderes als eine körperliche Wahrnehmung. Ja, Gefühle sind körperliche Wahrnehmungen. Über die kann ich nicht so sehr nachdenken. Das heißt ich kann schon über sie nachdenken, aber ich nehme sie nicht wahr, wenn ich nachdenke. Das genügt nicht, um emotional intelligent zu sein.

Fühlen am Beispiel Trauer

Beispiel: Ich komme beim Nachdenken kaum drauf, dass ich traurig bin. Aber ich merke eine körperliche Regung, wir nennen es Schmerz, wenn ich traurig bin. Beispielsweise wenn mich ein Mensch verlassen hat, der mir viel bedeutet. Oder wenn ich enttäuscht werde, spüre ich eine Art Schmerz. Nicht jeder Mensch spürt diesen Schmerz an der gleichen Stelle im Körper, aber es ist eine körperliche Wahrnehmung. Nichts, das ich kognitiv, mit dem Gehirn denkend, wahrnehme, sondern etwas, das mein Körper als Regung von sich gibt. Ich kann oder sollte, wenn ich authentisch führen will, in der Lage sein, diese Regung wahrzunehmen. Wenn ich emotional intelligent bin, kann ich das.

Selbstmotivation

Selbstmotivation zeichnet emotional intelligente Menschen aus, denn Selbstmotivation ist so etwas wie Begeisterungsfähigkeit für die eigene Arbeit. Und die Fähigkeit, sich selbst motivieren zu können. Übrigens unabhängig von finanziellen Anreizen oder Statussymbolen. Was ich daran interessant finde, ist, dass auch diese Selbstbewusstheit wieder etwas mit Gefühlen zu tun hat. Warum das? Wenn ich mich motivieren will, morgens zur Arbeit zu gehen oder nach der Pause einer bestimmten Arbeit nachzugehen, auf die ich keine Lust habe; wenn mein innerer Schweinehund so groß ist, dass ich keinen Bock habe mich an diesen Job, an diese neue Aufgabe zu machen, dann brauche ich eine ganz bestimmte Qualität. Und die ist mit einem Gefühl verbunden.

Ohne Beziehungskompetenz wächst kein Team zusammen.
Teamfähigkeit setzt vor allem anderen Beziehungskompetenz voraus.

Der Innere Schweinehund

Ich muss mit diesem inneren Schweinehund umgehen. Wenn ich morgens im Bett liege und keine Lust habe aufzustehen, begegne ich diesem inneren Schweinehund, der mir in ins Ohr säuselt: „Ach komm, noch fünf Minuten oder einfach noch neun Minuten bis zum nächsten Wecker-Piepsen.“ Oder: „Jetzt dreh dich doch nochmal um!“ Diesem inneren Schweinehund und seinen Einflüsterungen muss ich eine Grenze setzen können. Ich muss ihm sagen: „Innerer Schweinehund, Klappe! Platz! Ich stehe jetzt auf.“ Und dieser Vorgang, dem inneren Schweinehund, oder wem auch immer, eine Grenze zu setzen, das ist nichts anderes als eine Qualität, die aus dem Ärger kommt. Das heißt, ich brauche die Erlaubnis, dieses Gefühl zu spüren: „Verdammt, innerer Schweinehund, du stehst mir im Weg!“ Dann bin ich in der Lage, ihm eine Grenze zu setzen und kann mich für die Selbstdisziplin entscheiden. Und die Selbstdisziplin kommt vor der Selbstmotivation.

Selbststeuerung

Der nächste Punkt, der Menschen, die emotional intelligent sind, auszeichnet, ist die Selbststeuerung, also die Fähigkeit, einen Plan zu fassen; nach diesem Plan zu handeln und einen Rahmen abzustecken, in Bezug auf Zeit und Ressourcen. Auch das hat wieder was mit einem Gefühl zu tun, nämlich mit dem gleichen Gefühl, das ich brauche, um eine Grenze zu setzen.

Das Gefühl Ärger nutzen

Wie kommt das? Was hat Selbststeuerung, was hat die Fähigkeit einen Plan zu fassen, mit Ärger zu tun? Ich will‘s erklären: Einen Plan zu fassen bedeutet in erster Linie Entscheidungen zu treffen. Wenn ich Entscheidungen treffe: „Ich mache zuerst das“, dann entscheide ich mich auch grundsätzlich gegen alle anderen Optionen. Also kurzgefasst, ich entscheide mich dafür, aufzustehen und nicht liegen zu bleiben. Ich entscheide mich dafür, zuerst zu sehen, welche Ressourcen mir zur Verfügung stehen, dann schaue ich, wie viel Zeit ich für die Aufgabe brauche. Das heißt, immer wenn ich mich für eine Sache entscheide, entscheide ich mich automatisch auch gegen andere Optionen. Wenn ich emotional intelligent bin, kann ich das.

Entscheiden heißt Grenzen setzen

Ich gebe anderen Optionen ein Nein, ich setze ihnen eine Grenze in Bezug auf „Was mache ich zuerst?“. Und bei Grenzen setzen, Nein sagen und Entscheidungen treffen sind wir wieder bei diesem Gefühl Ärger, das es mir ermöglicht, zu bestimmten Dingen Nein zu sagen. Dann und nur dann kann ich auch zu einer besonderen Sache Ja sagen.

Soziale Kompetenz

Soziale Kompetenz ist der nächste Punkt, der einen emotional intelligenten Menschen auszeichnet. Ich glaube das ist für viele von uns nachvollziehbar. Die Fähigkeit, mit anderen Menschen Kontakte zu knüpfen und tragfähige Beziehungen aufzubauen, ist für emotional intelligente Menschen nicht nur wichtig sondern auch entscheidend. Und wenn wir von tragfähigen Beziehungen sprechen, meine ich nicht die Paarbeziehung, sondern tatsächlich die Beziehung von mir zu dem Menschen, mit dem ich gerade zu tun habe, also mit meinem Gegenüber.

Empathie

Empathie ist der nächste Punkt, und ich glaube, auch das ist nachvollziehbar. Die Fähigkeit, mich auf andere Menschen einzustellen, wahrzunehmen, wie es ihnen geht und wie sie fühlen und dann angemessen darauf zu reagieren, ist ein entscheidender Punkt für das Thema emotionale Intelligenz. Da sind wir übrigens ganz schnell beim Mitgefühl. Denn nur wenn ich fühlen kann, was in dem anderen Menschen vorgeht, nehme ich es auch wahr.

Akzeptanz ist der Kern

Natürlich gibt es Signale, die ich kognitiv rezipieren kann. Wenn meinem Gegenüber Tränen aus den Augen kullern, kann ich mir ziemlich sicher sein, das er traurig ist. Aber die Fähigkeit, mit Mitgefühl und sensibel drauf zu reagieren, kommt nicht aus der kognitiven Wahrnehmung, sondern daraus, dass ich in der Lage bin, sein Gefühl mitzufühlen. Erst wenn ich das kann, habe ich auch die Chance, diesen traurigen , ärgerlichen, ängstlichen oder glücklichen Menschen zu geben, wonach sich alle Menschen grundsätzlich sehnen: Akzeptanz. Ich akzeptiere, dass du beispielsweise traurig bist. Das ist eigentlich der Kern von Empathie.

Beziehungskompetenz (II) - Fortsetzung folgt

Jetzt sollten Sie nur noch überprüfen können, wie es um Ihre eigene emotionale Intelligenz bestellt ist. Dazu gibt es einen hilfreichen Fragenkatalog, den ich Ihnen in Episode 21 vorstellen werde, dem zweiten Teil meiner Reihe zum Thema Beziehungskompetenz im Business.

Unternehmen wollen wachsen. Menschen auch.

Matthias Stolla © 2017