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Mit Angst zum Erfolg – Ein Kommentar

„Du darfst keine Angst haben.“

Mit Angst zum Erfolg. Great Growing Up.
Kommentar zum Thema Angst im Job in der Wirtschaftsstimme. Foto: Matthias Stolla

„Du musst deine Angst bekämpfen.“

„In fünf Schritten zum angstfreien Leben.“

Solches und Ähnliches höre und lese ich immer wieder. Schön, dass die Wirtschaftsredaktion der Heilbronner Stimme/Hohenloher Zeitung einen Kommentar von mir wollte, der das Thema aus meiner Sicht beleuchtet. Am 27. November 2018 wurde er in der Wirtschaftsstimme veröffentlicht.

Hier der Text:

Mit Angst zum Erfolg

Von Matthias Stolla
Es gibt ein Gefühl, für das ich viel Mitgefühl empfinde. Die Angst. Sie muss für vieles herhalten, was in Unternehmen schiefläuft. Ständig wird darüber geschrieben, warum es wichtig sei, sie zu besiegen oder abzuschaffen. Ich habe noch keinen gefunden, der glaubhaft beschreibt, wie das gehen soll: Angst besiegen oder abschaffen. Dafür gibt es einen Grund: Ein Gefühl lässt sich nicht besiegen oder abschaffen.

Ich kenne nur wenige Manager, die mutig genug sind, um über ihre Ängste zu sprechen. Allerdings kenne ich Unternehmen, in denen Vorgesetzte „mit Angst regieren“. Ihre Mitarbeiter gehen auf Tauchstation und behalten ihre Ideen für sich. Das behindert den wirtschaftlichen Erfolg und schadet den Menschen.

Es hilft Mitarbeitern, die sich von Angst lähmen lassen, gar nichts, wenn ich fordere, sie müssten ihre Angst besiegen. Das führt nur dazu, dass sie ihre Angst verdrängen. Was es braucht, sind Führungskräfte und Mitarbeiter, die sich für den Mut entscheiden, Dinge zu tun, die ihnen Angst machen: Ideen entwickeln, Vorschläge machen, Missstände ansprechen, Feedback geben und nehmen, Neues wagen. Das ist riskant, keine Frage. Wer mit Angst erfolgreich sein will, braucht Mut zum Scheitern. Und Achtsamkeit. Die Abwesenheit von Angst ist nicht Mut, sondern Fahrlässigkeit.

Menschen sind sehr wohl in der Lage, aus und mit Angst Großtaten zu vollbringen.  Wenn sie ihre Angst akzeptieren. Das eröffnet ihnen eine Möglichkeit. Sie können sich eine simple Frage stellen: Entscheide ich oder entscheidet die Angst? Diese Möglichkeit fehlt mir, wenn ich meine Angst verdränge. Dann entscheidet sie und führt mich in Blockade, Blackout, Burnout.

Liebe Angstleugner: Lasst mir meine Angst! Ich habe sie schätzen gelernt und nutze sie so oft ich kann. Ich bin lieber mit Angst erfolgreich als ohne fahrlässig.

Matthias Stolla, Trainer und Dozent, Forchtenberg, www.greatgrowingup.com

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