Podcast-Transkript

Vom Unterschied zwischen Schuld und Verantwortung

 In diesem Beitrag geht es darum, welchen Unterschied es macht, ob ich mich schuldig oder verantwortlich fühle. Um den wichtigen Unterschied zwischen Schuld und Verantwortung. Es geht auch darum, dass der Begriff „fühlen“ in dem Zusammenhang nicht korrekt ist. Ich kann mich nicht schuldig oder verantwortlich fühlen. Ich kann allenfalls denken, dass ich eines von beiden bin. Daraus entstehen dann möglicherweise Gefühle: ich kann traurig sein, oder mich ärgern. Oder mich schämen. Zuerst gibt es einen Gedanken, dann resultiert daraus ein Gefühl. Daraus wiederum ergibt sich die Art und Weise meines folgenden Verhaltens oder Handelns.

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Schuld kann man nicht fühlen

Der Begriff Schuldgefühle ist also irreführend. Dieser Beitrag beschreibt, wie wir unsre Wirklichkeit gestalten, wenn wir auf eine Situation als Opfer reagieren, das sich vorrangig mit Schuld und seinem schlechten Gewissen beschäftigt. Und er beschreibt, welchen Unterschied es macht, wenn wir uns für Verantwortlichkeit statt Schuld entscheiden.

Schuld schafft Schwere

Tatsächlich hat dieses Thema auch eine moralische, sogar eine spirituelle Dimension. Schuldige, die an einen urteilenden und strafenden Gott glauben, erleben oft eine gewisse Schwere. Es fällt ihnen schwer Verantwortung zu tragen. Menschen, die Verantwortung dagegen als Freiheit zu gestalten begreifen, haben es leichter. Ich bin überzeugt davon, dass es keinen Sinn hat, sich mit der eigenen Schuld zu befassen, wenn es darum geht, die Gegenwart und die Zukunft zu gestalten. Im Grunde geht mir das sogar auf den Geist. Schuldzuweisungen befassen sich immer mit der Vergangenheit. Wer nach vorne schauen will und Wirklichkeit gestalten will, ist mit Verantwortung besser bedient.

Wer zieht den Schwarzen Peter?

In diesem Beitrag geht es um den Unterschied zwischen Schuld und Verantwortung. Der ist gerade im Arbeitsleben von enormer Bedeutung. Ich weiß gar nicht wie viele Besprechungen ich erleben durfte, in denen unglaublich viel Zeit und Energie darauf verwendet wurden, den Schuldigen zu finden, wenn irgendetwas schief gelaufen war. Der Außendienst beschuldigt die Verwaltung, die sieht den Fehler in der IT, und die IT gibt den Schwarzen Peter weiter an die Technik. So geht das eine Weile hin und her, bis die Luft raus ist. Danach steht im Sitzungsprotokoll ein Satz wie der hier: „Phänomen muss beobachtet werden.“

Schuldsucher bleiben passiv

Das wirklich Verräterische an dieser Formulierung ist die Verwendung des Passivs: „… muss beobachtet werden.“ Von wem, bitteschön? Ein klarer Hinweis darauf, was in der Debatte gefehlt hat: einer, der aktiv Verantwortung übernimmt. Alle waren viel zu sehr damit beschäftigt, die Schuld dem jeweils anderen zuzuschieben. Das Ergebnis: Alles bleibt, wie es war. Mit einem Unterschied: Es muss beobachtet werden. Solange aber keiner Verantwortung übernimmt, wird noch nicht einmal das geschehen. Auch in der Sprache zeigt sich der Unterschied zwischen Schuld und Verantwortung.

Verantwortung verleiht Kraft

Schuld und Verantwortung. Pranger. Great Growing Up.
Wer andere an den Pranger stellt, meidet Verantwortung. Foto: Sabine van Erp/Fotolia

Wir machen in unserem Sprachgebrauch nur sehr selten einen Unterschied zwischen Schuld und Verantwortung. Häufig verwenden wir sie sogar so, als würden beide das gleiche bedeuten. Weise ist das nicht. Und es hat Folgen, wenn wir so tun, als wären Schuld und Verantwortung dasselbe. Denn wenn wir diese beiden Begriffe miteinander vermischen, schwächen wir uns selbst erheblich. Wir verlieren die Kraft, Wirklichkeit zu gestalten. In dieser Episode werde ich zeigen, warum das so ist. Und was noch viel wichtiger ist: Ich werde zeigen, welche Kraft daraus entsteht, wenn wir den einen, entscheidenden Satz sagen, vor dem so viele Menschen zurückschrecken: Ich übernehme Verantwortung. Dieser eine Satz verändert alles. Das funktioniert allerdings nur, wenn uns der Unterschied zwischen Schuld und Verantwortung  bewusst ist.

Was Will Smith über Schuld und Verantwortung weiß

Ich werde das nicht alleine tun. Ich habe mir diesmal prominente Hilfe besorgt. Kein anderer als Will Smith wird erklären, warum Schuld und Verantwortung rein gar nichts miteinander zu tun haben. Der US-Schauspieler hat das kürzlich in einem  in einem Videoclip  auf Youtube so deutlich zum Ausdruck gebracht, dass ich mir erlaubt habe, Will’s Klartext für diese Episode im Originalton zu verwenden.

Aber bevor Will hier über den der Unterschied zwischen Schuld und Verantwortung spricht, will ich auf einen Widerspruch im Zusammenhang mit Verantwortung aufmerksam machen. Wann immer auf Facebook gefragt wird, „Was ist dein höchster Wert?“, dauert es nicht lange, bis jemand damit anfängt, über Freiheit zu schreiben.

Wer trägt die Konsequenzen?

Freiheit ist ein schöner Wert. Die Freiheit, zu tun und zu lassen, was ich will; die Freiheit, zu sagen, was ich will; die Freiheit, zu leben, wie ich will, wo ich will, mit wem ich will… alles großartig. Die Frage, die mir dabei immer schnell in den Sinn kommt, ist: Bin ich bereit, die Konsequenzen zu tragen? Äh nein, natürlich nicht, denn ich vergaß zu erwähnen, dass ich auch gerne frei von Konsequenzen wäre.

Keine Freiheit ohne Verantwortung

Und da sind wir schon am Kern. Alles, was ich tue oder nicht tue, hat früher oder später Konsequenzen. Aus der Frage „Bin ich bereit, die Konsequenzen zu tragen?“ ergibt sich damit die Frage nach der Verantwortung. Es gibt keine Freiheit ohne Verantwortung. Für manche mag das wie eine schlechte Nachricht klingen.

Tatsächlich verbirgt sich darin eine Nachricht, die ich als sehr, sehr positiv verstehe: Verantwortung ist Freiheit. Wenn ich bereit bin, die Konsequenzen zu tragen, bin ich frei zu tun, was ich will. So wird ein Schuh draus.

Schuld und Verantwortung

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Warum wir Verantwortung meiden

Dummerweise gibt es jede Menge Menschen, die davon nichts wissen wollen. Die große Politik etwa liefert jede Menge Beispiele dafür, wie es ist keine Verantwortung zu übernehmen. Wir sind es längst gewohnt, dass Menschen Verantwortung meiden wie der Teufel das Weihwasser. Stattdessen leugnen sie den Unterschied zwischen Schuld und Verantwortung

Schuld erschafft Drama

Woher das kommt? Ich denke, weil keiner Schuld sein will. Und da sind wir wieder beim Thema: Wir verstehen unter Verantwortung das gleiche wie unter Schuld. Die beiden Begriffe werden ständig in einen Topf gerührt und vermischt. Das ist nicht weise, denn daraus entsteht nur Drama. Viel Drama. Und das schmeckt nicht gut.

Moralische Schwere

In meinen Ohren klingt Schuld immer auch nach Strafe. Das sorgt für eine gewisse Schwere, die ich als lähmend empfinde. Schuld hat oft eine moralische, manchmal sogar eine religiöse Dimension: Von der Schuld ist es nicht weit zur Sühne und zum strafenden Gott. Und der richtet den, der etwas falsch gemacht hat. In diesem Sinne hat Schuld eine fatale Auswirkung auf unser Verhalten. Sie bindet uns an die Norm "Hier richtig, da falsch" und führt dazu, dass wir uns selbst Vorwürfe machen. Damit ist nichts gewonnen, aber viel verloren.

Schuld verhindert Verantwortung

Solange ich mich damit beschäftige, was ich falsch gemacht habe, drehe ich mich um mich selbst. Wenn ich ständig darüber nachdenke, wo ich nicht der Norm oder den gängigen moralischen Wertvorstellungen entsprochen habe, bin ich nicht frei, das zu tun, was ansteht. Etwa ein Problem zu lösen oder eine Situation zu verbessern. In diesem Zusammenhang, hindert mich die Schuld daran, Verantwortung zu übernehmen.

Will Smith spricht Klartext

Ich kenne niemanden, der den Unterschied zwischen Schuld und Verantwortung so gut erklärt, wie Will Smith. Tatsächlich hätte ich ihn gerne mal als Co-Trainer an meiner Seite. Deshalb teile ich hier den Clip meines "Kollegen" und empfehle zur weiteren Vertiefung des Themas seinen grandiosen Film "Das Streben nach Glück".

"Ich hatte eine Diskussion mit einer Freundin. Und wir waren uns uneinig über den Unterschied zwischen Schuld und Verantwortung. Sie sprach immer wieder von der Schuld von irgendjemanden. Und ich meinte: Es ist nicht wichtig, wer Schuld daran hat, dass irgendetwas kaputt ist, wenn es deine Verantwortung ist, es wieder zu reparieren.“

Wo die Schuldfrage wichtig ist

Mir gefällt die Art, wie Will Smith Unterscheidungen trifft: Die Schuldfrage ist nicht wichtig, wenn es deine Verantwortung ist, den Schaden zu beheben. Das bedeutet nicht, dass die Schuldfrage prinzipiell unwichtig sei.  Wenn es etwa um Schadenersatzansprüche geht oder um rechtliche Fragen, dann ist es in der Regel sehr wichtig herauszufinden, wer Schuld an etwas trägt.

Was meine Verantwortung bleibt

Und es gibt eine zweite, nicht minder wichtige Komponente: Es ist gut zu wissen, wer schuld war, damit ich weiß, auf wen ich ärgerlich bin. Ein Beispiel: Wenn ein Besucher, das Werkzeug, das ich mir von meinem Nachbarn geliehen habe, beschädigt, ist das seine Schuld. Ich darf mich natürlich über ihn und seine Unachtsamkeit ärgern. Aber es ist nicht seine Verantwortung, dem Nachbarn den Schaden zu ersetzen. Das ist meine. Auch das gehört zum Unterschied zwischen Schuld und Verantwortung

Vom Umgang mit Erlebnissen

Will Smith geht in seinen Beispielen sogar noch weiter.

„Zum Beispiel ist es nicht die Schuld von irgendjemandem, wenn sein Vater ein missbräuchlicher Alkoholiker ist. Aber es ist verdammt noch mal ganz sicher seine Verantwortung, herauszufinden, wie er mit diesen traumatischen Erlebnissen umgehen und daraus ein richtiges Leben machen kann.“

Ich mag die Art, wie Will Smith Klartext redet. Jedes Wort sitzt, keines ist zu viel. Ein heikles Thema, das noch heikler wird, wenn es beispielsweise um sexuellen Missbrauch geht. Niemand ist schuld daran, wenn er sexuell missbraucht wird. Kinder schon gar nicht. Die Täter sind schuld. Niemand sonst.

Nach vorne denken

Schuld und Verantwortung. Great Growing Up.
Kurz und knapp: Wie Verantwortung funktioniert. Foto: Matthias Stolla

Die Schuldfrage ist grundsätzlich nach hinten gerichtet:  in die Vergangenheit. Sie will klären, wer den Fehler gemacht hat, wer der Täter war. Im Grunde ist das nicht anders als vor Gericht. es geht darum herauszufinden, wer zu bestrafen ist. Die Frage nach der Verantwortung ist dagegen allein auf die Zukunft gerichtet. Das ist ein fundamentaler Unterschied zwischen Schuld und Verantwortung.

Konsequenz statt Ursache

Verantwortung hat überhaupt nichts damit zu tun, wer die Scheibe zerschlagen hat. Sie will nicht herausfinden, wer der Täter war. Ihr geht es gar nicht um die Ursache, sondern vielmehr um die Konsequenzen und um den Umgang mit dem, was nun mal geschehen ist. Verantwortung will einzig und allein klären, wer den Scherbenhaufen beseitigt, damit sich niemand daran verletzt.

Es ist auch nicht deine Schuld, wenn dein Partner dich betrügt und deine Ehe ruiniert. Aber es ist verdammt noch mal ganz sicher deine Verantwortung, wie du diesen Schmerz annimmst, mit ihm umgehst und ein glückliches Leben für dich erschaffst.“

Verantwortung erschafft Möglichkeiten

Die Frage nach der Verantwortung zielt auf die Zukunft. Sie hat nichts mit Fehlern zu tun, die in der Vergangenheit liegen. Sie will etwas Anderes klären: Bist du bereit, mit dem, was passiert ist, so umzugehen, damit du ein glückliches Leben führen wirst? Verantwortung richtet den Blick in die Zukunft und erschafft Möglichkeiten.

Schuld und Verantwortung haben nichts miteinander zu tun. Das nervt, aber sie haben nichts miteinander zu tun.“

Es gibt Gründe dafür, warum das nervt.

Warum wir uns selbst beschuldigen

Ich glaube, dass die Schuldfrage sehr wichtig ist. Sie ist eng damit verknüpft, wie wir mit unseren Emotionen umgehen. Viele Kinder und Erwachsene, die Missbrauch erleiden, geben nicht dem Täter die Schuld, sondern sich selbst. Warum ist das so? Weil ihnen die Erlaubnis und die Gelegenheit fehlen, die damit verbundenen Gefühle zum Ausdruck zu bringen.

Wenn Emotion zu gefährlich ist

Schuld und Verantwortung. Great Growing Up.
Solange Menschen sich beschuldigen, arbeitet keiner an einer Lösung. Foto: Tumisu/Fotolia

Für eine Tochter oder einen Sohn ist es viel zu bedrohlich, die unbändige Wut gegenüber einem Eltern- oder Stiefelternteil zum Ausdruck zu bringen. Ich habe unzählige Menschen in Trainings erlebt, die das erst nach vielen Jahren in geschütztem Rahmen konnten. Dann wurde es in der Regel sehr laut im Training. Dann war aber auch klar, dass nicht sie selbst, sondern der Täter schuld sind, an dem, was er seinem Kind angetan hat.

Die Schuldfrage klärt, an wen sich unser Ärger bzw. unsere Trauer richtet. Die Antwort darauf, erlaubt uns die mit dem Erlebten verbundene Emotionalität zu äußern.

Schuld will Strafe und Leiden

Dieser Schritt ist wichtig und unverzichtbar. Ohne ihn lässt sich der nächste Schritt gar nicht gehen: die Frage nach der Verantwortung.

Wenn jemand Schuld an etwas ist, wollen wir, dass er leidet. Wir wollen dass er bestraft wird. Wir wollen, dass er dafür bezahlt. Wir wollen, dass es seine Verantwortung ist, den Schaden wiedergutzumachen.“

Im Grunde wollen wir sogar noch etwas Größeres: Wir wollen, dass der Schuldige leidet, dass er bestraft wird. Aber auch, dass er seine Tat ungeschehen macht. Dass das, was geschehen ist, nie passiert ist. Dass genau das nicht möglich ist, hindert uns nicht daran, es zu wollen. Der Schuldige soll seine Tat aus unserer Vergangenheit tilgen. So, dass sie keine Rolle mehr in unserer Gegenwart bzw. in unserer Zukunft mehr spielen kann.

Vergangenheit lässt sich nicht ändern

Schuld und Verantwortung. Great Growing Up.
Dass der Kaffee verschüttet ist, lässt sich nicht rückgängig machen. Foto: Steve Buisinne/Fotolia

Es wäre so einfach, wenn der, der uns etwas angetan hat, auch dafür sorgen würde, dass wir dennoch ein glückliches Leben führen. Die vermeintlich schlechte Nachricht ist: Er wird es nicht tun. Einfach weil er es nicht kann. Es liegt nicht in seiner Macht das zu tun. Niemand kann in der Vergangenheit Geschehenes  wieder ungeschehen machen. Darauf zu hoffen ist Unsinn. Der Wunsch basiert einzig und allein auf Nicht-Akzeptanz. Wir wollen nicht wahrhaben, dass passiert ist, was passiert ist. Und manchmal ist der Mensch, der Schuld an unserem zerstörten Leben trägt, schon längst gestorben. Wie soll er also dafür sorgen, dass es uns besser geht?  Er kann es nicht. Welchen Sinn hat es also, darauf zu hoffen, dass er es dennoch tut? Ich kann keinen darin erkennen.

Aber so funktioniert das nicht. Schon gar nicht, wenn es um dein Herz geht. Dein Herz, dein Leben, dein Glück sind deine Verantwortung, ganz und allein deine.“

Brutale Wahrheit über Schuld und Verantwortung

Die Schuldfrage blickt auf die Vergangenheit. Sie zu klären, ist wichtig. Aber sie hat nichts mit Verantwortung für meine Gegenwart und meine Zukunft zu tun. Wie wir mit unseren Erfahrungen und Emotionen umgehen, entscheiden einzig und allein wir selbst.

Daraus ergibt sich eine brutale Wahrheit: Niemand kann dein Leben zerstören. Menschen können dich verletzen, dir Schaden zufügen. Wie du aber mit dem Schmerz umgehst und ob du dir davon dein Leben zerstören lässt, ist ganz allein deine Entscheidung – deine Verantwortung. Auch das ist ein wichtiger  Unterschied zwischen Schuld und Verantwortung: Verantwortung ermöglicht wahre Freiheit.

Schuld führt in den Opfer-Modus

Wenn du dich weigerst Verantwortung  anzunehmen, schwächst du dich, denn du hast keine Möglichkeit, etwas zu verändern. Du wartest darauf, dass ein anderer das für dich übernimmt. Das ist eine extrem schwache Position, die dir keine Handlungsmöglichkeiten bietet. Du wartest und wirst älter. Mehr passiert da nicht.

Solange wir mit dem Finger auf jemanden zeigen und darauf beharren, wessen Schuld das ist, sind wir gefangen im Opfer-Modus. Wenn du in Opfer-Modus gefangen bist, steckst du im Leiden fest. Der Weg zur Kraft führt durch das Annehmen von Verantwortung.

Warum Menschen gerne Opfer sind

Das hört sich nicht sehr sinnvoll an: im Leiden feststecken. Dass es dennoch so viele Menschen immer wieder tun hat, hat mehr als nur einen Grund.

  1. Wir sind es nicht gewohnt, Verantwortung zu übernehmen. Wir beschuldigen stattdessen andere.
  2. Verantwortung abzulehnen ist bequem. Ich kann keine Fehler machen.
  3. Ich leide zwar, aber alles bleibt so, wie ich es kenne.
  4. Ich erfahre Mitleid.

Das sind Vorteile, für die viele Menschen ihr altbekanntes Leid gerne in Kauf nehmen. Sie ändern dadurch nichts und haben unbewusst längst eine Entscheidung getroffen: ich lasse zu, dass das, was mir passiert ist, mein Leben zerstört. Mit Verantwortung hat das nichts zu tun.

Verantwortung sucht Antwort

Mir ist vor Jahren mal aufgefallen, dass im Wort Verantwortung das Wort Antwort steckt. Das gilt nicht nur fürs Deutsche, sondern auch für alle romanischen Sprachen sowie fürs Englische. Das fand ich interessant. Was hat Verantwortung mit Antwort zu tun? Sehr viel finde ich. Verantwortung sucht Antworten auf zwei Fragen:

  1. Was war mein Beitrag zu dem, was geschehen ist?

Und

  1. Was tue ich, damit ich ein glückliches Leben führe?

Die Antwort auf Frage 1 kann beispielsweise so lauten: „Ich habe zu sehr vertraut.“ Oder „Ich war nicht in der Lage Grenzen zu setzen.“ Das hat nichts mit Schuld zu tun, sondern hilft dabei, Frage 2 zu beantworten.

Die Antwort auf Frage 2 liefert Möglichkeiten dafür, das eigene Leben verantwortlich zu gestalten.

Dein Herz, dein Leben, dein Glück sind deine Verantwortung, ganz und allein deine."

Und das wiederum ist nichts Anderes als Freiheit.

Es gibt keine Schuldgefühle

Ich finde es darüber hinaus sehr interessant, wie oft Menschen sagen "Ich fühle mich schuldig." Nach meinem Verständnis gibt es gar keine Schuldgefühle, weil Schuld allenfalls ein Urteil, kaum aber ein Gefühl ist. Ich kann denken, dass ich schuldig bin, aber ich kann es nicht fühlen. Gedanken sind aber keine Gefühle. Genauso wenig kann ich mich verantwortlich fühlen. Verantwortlichkeit ist für mich vielmehr eine Haltung, die auf einer Entscheidung beruht: auf der, etwas ändern oder gar verbessern zu wollen.

Schuld macht passiv

Beides, Schuld und Verantwortung, beeinflusst mein Handeln. Die sogenannte Schuldgefühle, die nach meinem Verständnis vielmehr Schuld-Gedanken sind, sorgen dafür, dass ich in der aktuellen Situation verharre. Dabei spielt es kaum eine Rolle, ob ich mich oder einen anderen menschen beschuldige. Egal ob ich mich oder andere beschuldige und damit "schlecht" mache, ich bleibe passiv, bin allenfalls mit (Selbst-)Vorwürfen beschäftigt.

Gedanken beeinflussen unser Handeln

Verantwortlichkeit dagegen zeichnet sich durch die Absicht aus, eine neue Wirklichkeit zu gestalten. In dem Sinne, dass ich einen Beitrag dazu leiste, ein Problem zu lösen, eine Krise zu bewältigen oder einen Konflikt verantwortlich auszutragen. Das wiederum unterscheidet einen verantwortlichen Erwachsenen von einem Opfer. Die Gedanken - ob an Schuld oder an Verantwortung - beeinflussen maßgeblich unser Verhalten und Handeln.

Ein schlechtes Gewissen bringt gar nichts

Der Unterschied ist übrigens leicht zu bemerken: Wer Verantwortung übernimmt, verschwendet weder Zeit noch Energie damit, sich mit einem schlechten Gewissen zu plagen. Ein Opfer hingegen ist nicht selten auch ein Opfer von seinem schlechten Gewissen. Und das wiederum ist kein sinnvoller Beitrag zur Veränderung irgendeiner Situation.

Unternehmen wollen wachsen. Menschen auch.

Vielen Dank, Will Smith, für diese großartige Inspiration.

© Matthias Stolla 2018

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