Motivation ist keine Charaktersache (2) – Wie Rückzug entsteht

Warum bringen sich engagierte Mitarbeitende plötzlich nicht mehr ein? Wieso bleiben Ideen unausgesprochen? Warum herrscht in manchen Meetings auffällige Stille, obwohl alle wissen, dass es bessere Lösungen gäbe? Die Antwort lautet erstaunlich oft nicht: fehlende Motivation. Sie lautet: fehlende psychologische Sicherheit - sie ist der Grund, warum gute Mitarbeitende sich zurückziehen. Willkommen im zweiten Teil der Podcast-Serie. Motivation ist keine Charakterfrage.

Gute Mitarbeitende ziehen sich selten grundlos zurück

Psychologische Sicherheit - Warum gute Mitarbeitende sich zurückziehen
Wer sich in einem Team nicht sicher fühlt, behält seine Ideen lieber für sich. Fotos: Canva

Wenn Führungskräfte oder HR-Verantwortliche beobachten, dass Mitarbeitende weniger Initiative zeigen, wird häufig über Motivation oder Engagement gesprochen. Dabei zeigt die Forschung ein anderes Bild.

Menschen ziehen sich meist nicht deshalb zurück, weil sie weniger leisten möchten. Sie ziehen sich zurück, weil sie gelernt haben, dass Zurückhaltung sicherer ist als Offenheit. Dieser Prozess beginnt selten plötzlich. Er entwickelt sich schleichend – durch viele kleine Erfahrungen im Arbeitsalltag.

Was ist psychologische Sicherheit?

Die Harvard-Professorin Amy Edmondson prägte den Begriff der psychologischen Sicherheit. Gemeint ist damit ein Arbeitsumfeld, in dem Menschen keine Angst haben müssen,

  • Fragen zu stellen,
  • Fehler anzusprechen,
  • Kritik zu äußern,
  • neue Ideen einzubringen oder
  • auch einmal anderer Meinung zu sein.

Psychologische Sicherheit bedeutet ausdrücklich nicht Harmonie. Es geht vielmehr um eine Kultur, in der Offenheit möglich ist, ohne negative persönliche Konsequenzen befürchten zu müssen.

Warum Schweigen Unternehmen teuer zu stehen kommt

Psychologische Sicherheit - warum gute Mitarbeitende sich zurückziehen
Nicht die Leitbilder an der Wand entscheiden über das Betriebsklima, sondern das tatsächliche Miteinander. 

Viele Führungskräfte interpretieren Schweigen falsch. Sie glauben:

"Die Mitarbeitenden haben keine Ideen."

In Wirklichkeit denken viele etwas ganz anderes. Sie überlegen:

  • Ist das jetzt der richtige Moment?
  • Wie wird mein Vorschlag aufgenommen?
  • Mache ich mich angreifbar?
  • Lohnt es sich überhaupt, etwas zu sagen?

Bleiben diese Fragen unbeantwortet, entscheiden sich viele Menschen für den sichersten Weg: Sie sagen lieber nichts. Das kostet Unternehmen weit mehr als gute Ideen. Es kostet Vertrauen, Verantwortung und Innovationskraft. Und damit tatsächlich Geld

Die Forschung ist eindeutig

Im bekannten Forschungsprojekt Project Aristotle untersuchte Google über mehrere Jahre, warum manche Teams erfolgreicher sind als andere.

Das überraschende Ergebnis:

Nicht Intelligenz.
Auch nicht Erfahrung.
Und ebensowenig  die perfekte Teamzusammensetzung.

Der wichtigste Erfolgsfaktor war psychologische Sicherheit. Teams arbeiten erfolgreicher, wenn Menschen offen sprechen dürfen, Fehler ansprechen können und unterschiedliche Meinungen willkommen sind. Diese Erkenntnisse decken sich mit zahlreichen weiteren Studien aus Organisationspsychologie und Führungsforschung.

Unternehmenskultur entsteht im Alltag

Viele Unternehmen investieren viel Zeit in Leitbilder und Unternehmenswerte. Doch Betriebskultur entsteht nicht auf Plakaten. Sie entsteht jeden Tag.

Zum Beispiel durch Fragen wie:

  • Wie reagieren Führungskräfte auf Kritik?
  • Was passiert nach einem Fehler?
  • Wird zugehört oder verteidigt?
  • Dürfen auch unbequeme Themen ausgesprochen werden?

Mitarbeitende beobachten diese Situationen sehr genau. Und sie richten ihr Verhalten danach aus.

Was bedeutet das für Führungskräfte und HR?

Wer Leistungsbereitschaft fördern möchte, sollte nicht zuerst nach neuen Motivationsprogrammen suchen. Sinnvoller ist es, das tägliche

Psychologische Sicherheit - warum gute Mitarbeitende sich zurückziehen
Der Moment, in dem ein Mitarbeiter bemerkt, dass er sich mitteilen darf, verändert alles.

Miteinander genauer anzuschauen. Denn dort entscheidet sich, ob

  • Menschen Verantwortung übernehmen,
  • Ideen ausgesprochen werden,
  • Konflikte konstruktiv gelöst werden,
  • Vertrauen entsteht.

Führung bedeutet deshalb weit mehr als Ziele zu vereinbaren. Führung gestaltet den Raum, in dem Leistung überhaupt möglich wird.

Was das CARE-Training verändert

Im CARE-Training (Communication – Acceptance – Responsibility – Emotion) arbeiten wir genau an diesen entscheidenden Stellschrauben. Nicht mit theoretischen Modellen. Sondern anhand konkreter Situationen aus dem Arbeitsalltag.

Ziel ist dabei nicht, Mitarbeitende zu motivieren. Das Ziel ist, ein Arbeitsumfeld zu schaffen, in dem Motivation gar nicht mehr künstlich erzeugt werden muss. Weil Menschen sich sicher fühlen, Verantwortung übernehmen und ihre Stärken einbringen können.

🎧 Podcast anhören

In der zweiten Folge meiner Podcast-Serie gehe ich ausführlich auf diese Zusammenhänge ein und zeige anhand vieler Praxisbeispiele, warum gute Mitarbeitende oft schweigen – und wie Führungskräfte genau das verändern können.

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Fazit

Also: Menschen ziehen sich selten grundlos zurück. Sie reagieren auf das, was sie Tag für Tag erleben. Deshalb beginnt echte Leistungsbereitschaft nicht mit Motivation. Sie beginnt mit einem Arbeitsumfeld, das Offenheit ermöglicht.

Und genau darin liegt eine der wichtigsten Führungsaufgaben unserer Zeit.

Über Great Growing Up

Mit den CARE-Trainings unterstützt Great Growing Up Unternehmen dabei, eine Kommunikations- und Führungskultur zu entwickeln, in der Vertrauen wächst, Verantwortung übernommen wird und Mitarbeitende ihr Potenzial entfalten können.

Mehr erfahren

Wenn Sie sich fragen, wie Sie das in Ihrem Unternehmen konkret umsetzen können:

Schauen Sie hier beim Führungskräfte Coaching rein.

© Matthias Stolla 2026