Warum gute Leute sich zurückziehen – und was in Teams wirklich passiert
🎙️ Great Growing Up Podcast – Teil 2 der Serie über Leistungsbereitschaft und Betriebsklima
In der ersten Folge dieser Serie ging es um einen Perspektivwechsel:
👉 Leistungsbereitschaft ist kein Persönlichkeitsmerkmal.
Und auch keine Frage von „wollen oder nicht wollen“.
Menschen reagieren auf das, was sie jeden Tag erleben.
Auf Führung.
Auf Kommunikation.
Auf Sicherheit.
Auf Atmosphäre.
Und genau dort gehen wir in dieser zweiten Folge tiefer hinein.
Denn wenn Leistungsbereitschaft in Teams sinkt, passiert das selten plötzlich. Meistens geschieht es schleichend. Fast unbemerkt. Genau deshalb wird es in vielen Unternehmen erst dann sichtbar, wenn Frustration, Rückzug oder innere Kündigung längst Teil des Alltags geworden sind.
Gute Leute ziehen sich nicht grundlos zurück
Ich arbeite seit vielen Jahren mit Teams in Unternehmen. Und ehrlich gesagt erlebe ich nur selten echte Kompetenzprobleme.
Die meisten Menschen könnten deutlich mehr beitragen, als sie tatsächlich zeigen.
Sie haben Ideen.
Sie sehen Probleme früh.
Sie hätten Lust, Verantwortung zu übernehmen.
Und trotzdem passiert oft genau das nicht.
Warum?
Weil Menschen sehr schnell lernen, was in einem System sicher ist – und was nicht.
Das geschieht nicht bewusst. Niemand entscheidet morgens beim Aufstehen: „Heute halte ich mich lieber zurück.“
Es entsteht durch Erfahrungen.
Wenn Vorschläge regelmäßig übergangen werden.
Wenn Kritik defensiv aufgenommen wird.
Wenn Fehler subtil bewertet werden.
Wenn Menschen spüren, dass Offenheit unangenehm werden kann.
Dann entsteht etwas, das man in vielen Unternehmen beobachten kann:
👉 Vorsicht.
Und Vorsicht verändert Verhalten.
Menschen formulieren zurückhaltender.
Sie sprechen Themen später an.
Sie bringen sich weniger ein.
Nicht, weil sie nicht wollen – sondern weil Rückzug irgendwann sicherer erscheint als Sichtbarkeit.
Betriebsklima zeigt sich nicht im Leitbild
Viele Unternehmen sprechen von offener Kommunikation, Vertrauen oder Fehlerkultur.
Und trotzdem erleben Mitarbeitende oft etwas anderes.
Denn Betriebsklima zeigt sich nicht auf der Website oder in Werten auf PowerPoint-Folien. Es zeigt sich in den kleinen Momenten des Alltags.
Zum Beispiel in Meetings.
Eine Frage wird gestellt. Mehrere Menschen hätten etwas zu sagen. Man spürt förmlich, dass Gedanken im Raum sind – und trotzdem sagt niemand etwas.
Oder jemand spricht ein Thema nur halb an. Sehr vorsichtig. Fast entschuldigend.
Genau dort wird sichtbar, wie sicher ein System wirklich ist.
Nicht in harmonischen Situationen. Sondern unter Spannung.
Die unsichtbaren Regeln in Teams
Jedes Unternehmen hat offizielle Regeln. Prozesse. Werte. Leitlinien.
Und daneben gibt es etwas anderes:
👉 die gelebten Regeln.
Die unausgesprochenen.
Zum Beispiel:
- „Sprich Kritik lieber vorsichtig an.“
- „Mach Fehler nicht zu sichtbar.“
- „Sei diplomatisch.“
- „Halte dich besser etwas zurück.“
Diese Regeln stehen nirgendwo. Und trotzdem bestimmen sie oft den Alltag stärker als jede Unternehmensbroschüre.
Menschen orientieren sich nicht an dem, was behauptet wird. Sondern an dem, was tatsächlich passiert.
Warum Menschen schweigen
Ein Thema, das in Trainings immer wieder sichtbar wird, ist Schweigen.
Nicht das offensichtliche Schweigen. Sondern dieses subtile Zurückhalten.
Viele Führungskräfte interpretieren das falsch. Sie denken:
👉 „Die Leute haben keine Meinung.“
In Wirklichkeit haben viele Mitarbeitende sehr klare Wahrnehmungen. Sie sehen Probleme. Sie haben Ideen. Sie denken mit.
Aber sie wägen permanent soziale Risiken ab.
- Was passiert, wenn ich das offen anspreche?
- Wie wird darauf reagiert?
- Wird das gegen mich verwendet?
- Wirke ich schwierig?
Und genau diese innere Abwägung beeinflusst Verhalten massiv.
Die Forschung dazu ist inzwischen eindeutig. Studien zur psychologischen Sicherheit – unter anderem Googles bekannte Untersuchung „Project Aristotle“ – zeigen:
Der wichtigste Faktor erfolgreicher Teams ist nicht Intelligenz oder Erfahrung. Sondern die Frage:
👉 „Kann ich mich hier zeigen, ohne negative Konsequenzen befürchten zu müssen?“
Schweigen kostet Unternehmen enorme Energie
Das Problem ist: Schweigen wirkt nach außen oft harmlos.
Menschen funktionieren ja weiterhin.
Meetings finden statt.
Prozesse laufen.
Und trotzdem geht etwas verloren:
👉 Energie.
Denn überall dort, wo Menschen sich zurückhalten, entstehen Reibungsverluste.
Probleme werden später sichtbar.
Konflikte schwelen länger.
Ideen tauchen nicht auf.
Verantwortung wird vermieden.
Die Harvard Business School zeigt in mehreren Untersuchungen, dass Teams mit geringer psychologischer Sicherheit deutlich langsamer lernen und weniger innovativ sind.
Warum?
Weil Informationen fehlen.
Nicht, weil sie niemand hätte. Sondern weil sie nicht ausgesprochen werden.
Wie Leistungsbereitschaft langsam verloren geht
Das Spannende ist:
Leistungsbereitschaft verschwindet selten abrupt.
Sie erodiert langsam.
Ein Mensch bringt eine Idee ein. Sie wird ignoriert.
Beim nächsten Mal formuliert er vorsichtiger.
Irgendwann sagt er nichts mehr.
Nicht dramatisch. Nicht sichtbar. Einfach still.
Und genau deshalb bleiben die eigentlichen Ursachen oft unerkannt.
Dann fallen Sätze wie:
👉 „Die machen halt nur noch Dienst nach Vorschrift.“
Aber selten wird die wirklich wichtige Frage gestellt:
👉 Warum ziehen Menschen sich zurück?
Denn meistens hat dieses Verhalten eine Geschichte.
Leistung braucht emotionale Sicherheit
Leistung ist nicht nur eine Frage von Kompetenz.
Leistung braucht emotionale Energie.
Menschen bringen sich dann ein, wenn sie das Gefühl haben:
- dass ihre Beiträge erwünscht sind
- dass Offenheit möglich ist
- dass Fehler nicht sofort zu Bewertung führen
- dass sie etwas bewirken können
Fehlt dieses Erleben, sinkt Leistungsbereitschaft fast automatisch.
Nicht aus Trotz.
Nicht aus Faulheit.
Sondern weil das System Rückzug wahrscheinlicher macht als Beteiligung.
Was sich verändert, wenn Menschen wieder offen sprechen
Im CARE-Training gibt es oft einen Moment, der vieles verändert.
Menschen beginnen, ehrlicher zu werden.
Am Anfang vorsichtig.
Dann klarer.
Und plötzlich entsteht etwas, das man fast körperlich im Raum spüren kann:
👉 Erleichterung.
Weil Dinge ausgesprochen werden, die längst da waren.
Und genau dort verändert sich etwas Entscheidendes:
Energie kommt zurück.
Nicht durch Druck.
Nicht durch Motivationstrainings.
Sondern durch Klarheit.
Fazit
Wenn gute Leute sich zurückziehen, liegt das selten an fehlender Motivation.
Viel häufiger ist es eine Reaktion auf das Klima, das sie täglich erleben.
Und genau deshalb ist Betriebsklima kein „Soft-Thema“.
Es entscheidet darüber,
👉 ob Menschen sich zeigen
👉 Verantwortung übernehmen
👉 Ideen einbringen
👉 Leistung investieren wollen
Oder innerlich auf Distanz gehen.
Und genau deshalb lohnt es sich, dort genauer hinzuschauen.
🎧 Zur Podcastfolge
Die komplette Folge kannst du hier anhören:
👉 [Link zur Podcastfolge]
Mehr über CARE
Im CARE-Training arbeiten wir genau an den Faktoren, die Zusammenarbeit und Leistungsbereitschaft beeinflussen:
- Communication
- Acceptance
- Responsibility
- Emotion
Nicht theoretisch. Sondern im echten Verhalten.
👉 https://greatgrowingup.com/fuehrungskraefte-coaching-emotionale-intelligenz/
werden muss, sondern entsteht.
Mehr erfahren
Wenn Sie sich fragen, wie Sie das in Ihrem Unternehmen konkret umsetzen können:
Schauen Sie hier beim Führungskräfte Coaching rein.
© Matthias Stolla 2026



